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Land & Leute

Latvija, wie Lettland in der Landessprache heißt, liegt zwischen Estland im Norden und Litauen im Süden. Im Nordosten grenzt die Republik an Russland, im Südosten an Weißrussland. Mit einer Fläche von 64.635 km² ist das Land etwa so groß wie Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen zusammen.

In Rīga, der lettischen Hauptstadt und zugleich größten Stadt des Baltikums, konzentrieren sich die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Kräfte des Landes. Etwa ein Drittel der 2,3 Mio. Einwohner Lettlands leben hier.

Reist man mit dem Flugzeug nach Lettland, fällt schon aus der Luft auf, wie ursprünglich die dünn besiedelte Landschaft geblieben ist. Man entdeckt Flüsse und Seen, Wälder, Moorgebiete und einen großen Teil der 500 km langen Ostseeküste Lettlands.

Dann taucht Rīga auf, geteilt durch den Fluss Daugava (Düna), der nach wenigen Kilometern in die Rīgaer Bucht mündet. Die Altstadt am rechten Flussufer zeigt mit ihren Türmen eine prägnante Silhouette, die stark an das Stadtbild Lübecks erinnert und sich seit dem 15. Jahrhundert kaum verändert hat. Schon jetzt sürt man, dass Rīga zu Zeiten der Hanse eine reiche und bedeutende Stadt war.  Im Norden der Stadt liegt der große Freihafen, der noch heute ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für das gesamte Land ist.

Vergangenheit und Moderne

Lettland ist ein Land überraschender Vielfalt: Schlendert man durch die liebevoll restaurierte Altstadt Rīgas oder das wunderschöne Jugendstilviertel, fühlt man sich in vergangene Zeiten zurückversetzt.

Passiert man dann die modernen Geschäftspassagen, Restaurants sowie Bars und bezahlt die Parkuhr via Handy, ist man wieder angekommen in dem modernen Land, in dem die Aufbruchstimmung der jungen Menschen spürbar ist.

Deutlich zeigt sich dieser Kontrast auch auf dem Lande: Während ein Bauer mit Pferd und Wagen das Heu einfährt, arbeitet sein Nachbar mit riesigen Traktoren und neuester Technik auf seinem Acker.

Ursprüngliche Natur und endlose Strände

Jeder der vier Landesteile Lettlands bietet dem Besucher besonders reizvolle Plätze in der Natur.

In Vidzeme, dem Nordosten des Landes, ist die Landschaft hügelig und von großen Waldgebieten bedeckt. Besonders im Herbst, wenn sich das Laub bunt färbt, lohnt ein Ausflug in den Gauja Nationalpark, um eine Wanderung durch die Wälder oder eine Kanufahrt auf der Gauja zu unternehmen.

Im Osten des Landes, in Latgale, liegen die großen Seengebiete Lettlands. Fast 300 größere und kleinere Seen, z.T. mit Inseln und malerischen, buchtenreichen Ufern, breiten sich  zwischen den sanften Hügeln dieses Landstriches aus.   

Das Gebiet südlich von Rīga bis zur litauischen Grenze heißt Zemgale und gilt als die Kornkammer Lettlands. Einen Besuch wert ist der Park der Waldlandschaften bei Tērvete.Hier spaziert man auf unzähligen, von Holzskulpturen gesäumten Pfaden und Brücken durch verschiedene malerische Landschaftsformen.

Der Landesteil Kurland wird geprägt durch die Ostsee. Breite, menschenleere Sandstrände an der Westküste erfreuen Badefreudige und Strandwanderer. Das windumtobte Kap von Kolka, wo die freie Ostsee in die Bucht von Riga übergeht, ist beliebter Treffpunkt für Wind- und Kitesurfer.
 
Die Flora und Fauna Lettlands ist besonders vielfältig und bietet Lebensraum für Tiere und Pflanzen, die in Deutschland bereits ausgestorben oder bedroht sind, wie z.B. Weißstörche, Elche, Wölfe und sogar einige Bären.     

Geschichte links und rechts der Straße

Nicht nur Rīga fasziniert durch seine historischen Bauten wie dem Schwarzhäupterhaus, dem Dom und anderen zahlreichen Kirchen, der Nationaloper uvm. Im gesamten Land stößt man auf unzählige Zeugnisse der bewegten lettischen Geschichte.

Etwa 70 km südlich von Rīga liegt ein bedeutendes Bauwerk Lettlands, das Schloss Rundāle. Nicht nur das nach französischem Vorbild angelegte Barockschloss, sondern auch der Garten ist einen Besuch wert.  

Von der deutschen Geschichte in Lettland erzählen die Ordensburgen von Sigulda und Cēsis sowie die Bischofsburg von Turaida, ebenso wie die vielen ehemaligen Gutshöfe. Teilweise sind diese aufwendig renoviert und werden heute als Hotels geführt, z.B. Diķļu pils und Jumurda muiža in Vidzeme.

Für katholische Reisende ist die Basilika von Aglona, 50 km nordöstlich von Daugavpils gelegen, ein Muss. Eine Kopie des für wundertätig gehaltenen Bildnisses der Muttergottes von Aglona zieht  jedes Jahr am 15. August Tausende von Wallfahrern an.

Typisch lettisch

Die Letten sind ein äußerst gastfreundliches Volk. Fremden gegenüber verhalten sie sich abwartend und erscheinen auf den ersten Blick eher verschlossen. Hat man aber ihr Vertrauen gewonnen, wird einem mit herzlicher Freundlichkeit begegnet und große Hilfsbereitschaft entgegengebracht.

Die Letten zeigen einen gesunden Nationalstolz - bedenkt man die langen Zeiten der Fremdherrschaft, überrascht dies nicht.

Sie sind sportbegeistert: was den Deutschen der Fußball, ist den Letten das Eishockey. Vergleichbar der Stimmung während der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland, befand sich Riga im Ausnahmezustand als  im Mai 2006 die Eishockey-Weltmeisterschaft in Lettland ausgetragen wurde.  

Musik, insbesondere das Singen, prägt die lettische Mentalität. Nicht nur die unzähligen Chöre vereinen die Menschen, auch auf privaten Feiern wird viel gesungen. Bei einem Besuch der Nationaloper, in einem der zahlreichen Konzerte in Rīga oder bei dem nationalen Sängerfest kann sich der Besucher von der Sangesfreude der Letten überzeugen.  

Die Letten sind ein naturverbundenes Volk - egal ob Sommer oder Winter - am Wochenende zieht es sie aufs Land, wo es viele reizvolle Orte für Rad-, Ski- und Kanufahrer, Surfer oder Spaziergänger gibt.

Spontaneität, Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem und ein unkompliziertes Wesen kennzeichnen viele Letten. Verabredungen und Geschäftstermine kommen daher meist kurzfristig zustande.
    
Die Liebe der Letten zu Blumen fällt ausländischen Besuchern sofort ins Auge. Fast an jeder Straßenecke werden sie rund um die Uhr verkauft. Gibt es doch immer einen Anlass, Blumen zu verschenken.

So bekommen Lehrer am ersten Schultag des neuen Schuljahres Blumen von den Schülern. Am Geburts- und Namenstag oder nach bestandenen Prüfungen sind sie selbstverständlich und auch die Künstler in Theater, Oper oder bei Konzerten werden vom Publikum reichlich mit Blumen bedacht