Kultur
Das wohl bekannteste Kulturgut der Letten sind ihre Volkslieder, die Dainas.
Diese Vierzeiler behandeln jeweils einen Aspekt ihres Lebens wie Geburt, Liebe, Hochzeit und Tod, Arbeit, Heimat und Natur. Besonders auch in Zeiten der Fremdherrschaft und Unterdrückung waren diese Lieder eine wichtige Möglichkeit zur Pflege der lettischen Sprache und sind bis heute Ausdruck lettischer Identität.
Es wird vermutet, dass die ersten Dainas schon im 11. Jh. entstanden sind; allerdings gab es bis ins 19. Jh. nur eine mündliche Überlieferung. Beginnend im 18. Jh. sammelten der Deutsche Johann Gottfried Herder sowie einige Letten erste Lieder. Als der „Vater der Lieder“ gilt jedoch Krišjānis Barons (1835-1923), der das ganze Land bereiste, um Volkslieder systematisch zu sammeln und schriftlich festzuhalten. Zwischen 1894 und 1915 trug er 36 000 Dainas mit 182 000 Variationen zusammen und veröffentlichte diese.
In engem Zusammenhang mit den Dainas steht die lange Chortradition Lettlands. 1873 fand das erste Sängerfest in Rīga mit 1003 Teilnehmern statt. Heute wird dieses Fest alle fünf Jahre veranstaltet und vereinigt mehr als 10 000 Sänger und Tänzer auf der Bühne. Zudem gibt es in Lettland zahlreiche, sehr erfolgreiche Chöre und Gesangs-Ensembles, von denen einige auch im Ausland auftreten.
Die Lettische Nationaloper in Rīga hat sich einen guten Namen gemacht, ihr Opern- und Ballettensemble gilt in Europa als besonders innovativ und lebendig. Aber auch das Gebäude an sich ist sehenswert seit es in neuem Glanz erstrahlt. Welchen hohen Stellenwert die Opernkunst in Lettland einnimmt, zeigt sich auch daran, dass die Oper das erste öffentliche Gebäude war, welches die Regierung nach 1991 renovieren ließ.
Als der bedeutendste lettische Dichter gilt Janis Rainis (eigentlich J. Pliekšans, 1865-1929), der Lyrik und Dramen nach Themen aus der Bibel und der lettischen Geschichte schrieb. Von ihm stammt die erste lettische Tragödie. Seine Lebensgefährtin, die Dichterin Aspazija (1868-1933), sowie die Schriftstellerin Anna Brīgadere (1861-1933) beschäftigten sich ebenfalls mit dramatischer Dichtung, allerdings mehr lyrischer Ausprägung.
Für die Entwicklung der Malerei in Lettland waren die beiden lettischen Künstler Janis Rozentals (1866-1916) und Vilhelms Purvitis (1872-1945) von Bedeutung. Janis Rozentals prägte die lettische Genre- und die Porträtmalerei, während Vilhelms Purvitis die lettische Landschaftsmalerei stark beeinflusste und ihr einen bleibenden Platz in Europa gab.
Das Nationalmusem in Rīga verfügt über eine umfangreiche Sammlung von Werken lettischer Künstler.
Fest verwurzelt in der lettischen Tradition ist das Fest der Sommersonnenwende (Mittsommernacht).
Am Abend des 23. Juni feiert man auf dem Lande mit Freunden oder der Familie in den Johannistag (Jaņi), den längsten Tag des Jahres. Die Mädchen binden Blumenkränze von Wildblumen als Haarschmuck, alle Männer mit dem Namen Jānis (Johannes) tragen einen buschigen Kranz aus Eichenlaub.
Traditionell wird ein großes Lagerfeuer entzündet, Volkslieder gesungen, getanzt, Bier getrunken und ein spezieller Kümmelkäse gegessen. Junge Paare gehen später am Abend in den Wald, um Farnblüten zu pflücken - zumindest sagen sie das... An Schlaf ist in dieser Nacht nicht zu denken - die Sonne wartet darauf, begrüßt zu werden. Der Tau auf den Pflanzen hat an diesem Morgen heilende Wirkung, daher sollte man sich auf jeden Fall das Gesicht damit waschen.

