Sprache
Die lettische Sprache gehört zum baltischen Zweig der indo-europäischen Sprachfamilie wie das Litauische oder die alten Sprachformen Kurisch und Altpreußisch oder Westbaltisch.
Im ersten Jahrhundert nach Christus spaltete sich der baltische Sprachzweig in ost- und westbaltische Dialekte. Das ostbaltische Lettisch entwickelte sich aus den Sprachen mehrerer Stämme (Lettgallen, Selen, Semgallen und Kuren). Die im 16. Jahrhundert gesprochenen Dialekte bildeten die Basis für das moderne Lettisch.
Nach der Eroberung des lettischen Siedlungsraumes durch den Deutschen Ritterorden im 12. Jh. stellten die Deutschbalten den Adel und dominierten Wissenschaft und Handel in den Städten. Lettisch war die Sprache der rechtlosen Landbevölkerung, die keine schriftlichen Zeugnisse hinterließ.
Die ersten lettischen Texte stammen aus dem 16. Jh. Damals schufen baltendeutsche, lutherische Pastoren mit der Übersetzung der Bibel ins Lettische die Grundlage für eine lettische Schriftsprache. 1822 erschien die erste lettische Zeitung „Latviešu avīze“
und zu Beginn des 20. Jh. entwickelten Sprachwissenschaftler eine moderne Orthographie des Lettischen auf Basis der lateinischen Schrift sowie lettische Begriffe für Lehnwörter aus dem Deutschen oder Russischen.
Hierzu einige Beispiele:
mutere = die Mutter, fāters = der Vater
fiksi = fix, feini = fein
gardīnes = die Gardinen, širce = die Schürze
kumode = die Kommode, šublāde = die Schublade
ķisens = das Kissen, deķis = die Decke
Während der Sowjetherrschaft wurde Russisch zur Amtssprache und drängte das Lettische zurück. Seit Mai 1989 ist Lettisch wieder Amtssprache - damals ein erster messbarer Erfolg der lettischen Unabhängigkeitsbewegung. Heute sprechen weltweit etwa 2 Mio. Menschen Lettisch. Davon leben rund 1,7 Mio. in Lettland und 200 000 in Westeuropa, Nordamerika oder Australien. 30 000 Letten leben in den Ländern der GUS.
Das heutige lettische Alphabet besteht aus 33 Buchstaben. Die Aussprache der einzelnen Buchstaben ist für Ausländer nicht unbedingt einfach, prinzipiell werden die Worte aber so ausgesprochen, wie sie geschrieben werden. Die Betonung ist dagegen sehr einfach - sie liegt immer auf der ersten Silbe.
Der größte Unterschied zwischen der deutschen und der lettischen Grammatik liegt in der Zahl der Fälle. Im Lettischen gibt es neben den vier Fällen des Deutschen den Instrumentalfall, den Lokativ und den Vokativ.

